Leitfaden für die Zuchtstute- von der Bedeckung bis zur Geburt des Fohlens

Herbst

Die Vorbereitungen für die Stute, die der Züchter im folgenden Jahr bedecken will, beginnen bereits im Herbst des Jahres. Eine ordentliche Dokumentation und Beobachtung sind Voraussetzung für eine erfolgreiche Trächtigkeit.
Im Pferdepass werden die Impfungen eingetragen. Zusätzlich werden alle Wurmkuren und Krankheiten dokumentiert.
Zum Ende der Weideperiode bzw. am Jahresende, je nach Entwurmungsplan, wird eine Wurmkur mit einem Wirkstoff gegen Magendassellarven empfohlen.
Der Futterzustand der Stute muss kritisch überprüft werden, die Kontrolle der Zähne ist dabei nicht zu vergessen. Eine rauhfaserreiche Fütterung von gutem Heu über die Wintermonate ist notwendig, sowie die Versorgung mit Mineralstoffen. Möhren sind für die Beta-Karotin-Zufuhr optimal. Zuchtkondition bedeutet, dass die Stute weder zu fett noch zu mager ist.

°    Impfungen
°    Wurmkur
°    Zahnkontrolle
°    Fütterung

Jahresanfang

Die Auswahl des Hengstes spielt für den Zuchterfolg eine große Rolle. Nutzen Sie die Hengstpräsentationen der Hengsthalter, um das Vatertier vom Exterieur,  Bewegungs- und Leistungspotential und  Interieur einschätzen zu können. Informieren Sie sich im Hengstverteilungsplan des Verbandes.
Für die Zuchtberatung stehen Ihnen die Zuchtleiter der Zuchtbezirke Sachsen und Thüringen,  sowie die Geschäftsführerin des Verbandes zur Verfügung.
Das Hauptaugenmerk sollte aber immer   auf der kritischen Einschätzung der eigenen  Stute liegen. Die Mutterstute  gibt dem Fohlen geringfügig mehr Erbmasse mit, als der Hengst. Sie hat durch die Trächtigkeit  besonderen Einfluss auf den Energiestoffwechsel und prägt Verhalten, Charakter und Entwicklung des Fohlens entscheidend!

März/ April

Bedingt durch die Tageslichtlänge wird die Aktivität der Eierstöcke angeregt. Frische Luft, Sonne, Gesellschaft mit anderen Pferden und Bewegung beeinflussen die Rosse positiv.
Die Fütterung kann eiweißreicher gestaltet werden, eine Erhöhung der Beta-Karotin-Gaben und die Zugabe von Speiseöl oder Leinsamen in der Ration wirken positiv auf  Eierstöcke und Fellwechsel.
Dokumentieren Sie, wann und wie lange die Stute rosst (Rossekalender). Erst wenn regelmäßige Zyklen vorhanden sind, hat die Belegung eine Chance. Die Zyklusdauer beträgt im Durchschnitt 21 Tage, die Dauer der Rosse 5-7 Tage. Der Eisprung erfolgt in der Regel zu Ende der Rosse.
Die Zuchttauglichkeitsuntersuchung wird zu Beginn der Decksaison durch den Tierarzt vorgenommen. Teil der Untersuchung ist die Tupferprobe, die möglichst während einer Rosse entnommen werden soll. Das Ergebnis der Tupferprobe ist dem Hengsthalter zum Decktermin vorzulegen.
Mit allen Fragen rund um die Bedeckung/ Besamung wenden Sie sich an den Hengsthalter, wie Anlieferung der Stute, Einstellmöglichkeiten, Nachbedeckung, Kosten…
Bei künstlicher Besamung haben Sie die Möglichkeit die Stute zu Hause von Ihrem Tierarzt besamen zu lassen oder Sie stellen die Stute zur Besamung auf der Hengststation ein. Hier ist eine Stimulierung durch den Hengst möglich. Da jede Stute individuell reagiert, beraten Sie sich mit Ihrem Tierarzt.
Beachten Sie im Frühjahr die Impfung gegen Tetanus, Influenza und Herpes sowie die Wurmkur.

April/ Mai/ Juni

Am 15./16. Tag nach der Belegung kann die erste Trächtigkeitsuntersuchnung (TU) zum Ausschluss einer Zwillingsträchtigkeit durchgeführt werden und um die neue Rosse zu nutzen.
Vom 30. bis 40. Tag kann eine nochmalige TU sicherstellen, das keine Fruchtresorbtion stattgefunden hat.
Der Geburtstermin liegt 11 Monate nach der letzten Belegung. Hier sind Schwankungen von plus/ minus 2 Wochen normal.
Nun sollte Ihre trächtige Stute den Sommer und Herbst auf der Weide und bei regelmäßiger Arbeit verbringen. Die tragende Stute kann weiterhin die Arbeit, die sie gewöhnt ist, ausführen.

Herbst/ Winter

Sie beachten wiederum bei Weideabtrieb die Wurmkur und den Impfplan.
Soll die tragende Stute den Stall wechseln, so sollte das bis spätestens 6 Wochen vor dem Abfohltermin geschehen. Die Stute muss sich dem neuen Keim-Milieu anpassen.
Ebenfalls ca. 6 Wochen vor der Abfohlung sollte die Arbeit der Stute eingeschränkt werden.
Ruhige Bewegung, Frischluft und Auslauf sorgen für eine störungsfreie Hochträchtigkeit.

Frühjahr

Der Geburtstermin rückt heran. Die Sauberkeit und Hygiene der Abfohlbox sollte selbstverständlich sein, außerdem muss die Box der Stute genügend Platz bieten.
Erste Anzeichen sind das Einfallen der  Mutterbänder, der Leib senkt sich und am Euter bilden sich die Harztropfen.  Sicher strebt jeder Züchter eine ordentliche  Geburtsüberwachung an, bis hin zur Über-wachung mit der Kamera. Allerdings wollen  die meisten Stuten ungestört sein und  fohlen selbständig und relativ schnell ab. Die Kontrolle der Geburt sollte von einer vertrauten Person, ruhig und von außerhalb der Box erfolgen.
Bei der normalen Vorderendlage erscheinen nach der Fruchtblase beide Vorderbeine  und der Kopf, dann presst die Stute das Fohlen heraus. Die Nabelschnur reißt nicht unbedingt gleich ab und die Stute bleibt einige Zeit liegen. Wichtig ist, dass die  Geburtshüllen nicht die Atmung des  Fohlens behindern.
Gibt es allerdings Anzeichen, das die Geburt nicht normal verläuft und zuviel Zeit vergeht, ist sofort der Tierarzt zu verständigen.
Nach der Geburt leckt die Stute ihr Fohlen trocken und die entscheidende Prägungsphase beginnt, bei der Beide ungestört  bleiben sollten. Der Nabelstumpf des  Fohlens ist mit einer Jodlösung zu  desin-
fizieren, was auch an den beiden  folgenden Tagen wiederholt wird. Die Nachgeburt sollte vollständig nach  spätestens 4 Stunden abgegangen sein, bei Nachgeburtsverhalten ist der Tierarzt zu informieren. Das gesunde Fohlen steht nach ca. einer Stunde und sollte wenigstens nach vier Stunden die erste Kolostralmilch  getrunken haben. Achten Sie auf die Aufnahme der Kolostralmilch! Sie gibt dem Neugeborenen überlebenswichtige Abwehrstoffe und fördert den Abgang des Darmpechs (erster schwarzer Kot des Fohlens). Können Sie das Fohlen nicht zum selbständigen Säugen bringen, bleibt nur, die Stute abzumelken und mittels Babyflasche zu füttern.
Besonders Hengstfohlen neigen zu Darmpechverhalten mit Kolikanzeichen. Hier kann der Tierarzt mittels Einlauf helfen. Gute Abhilfe schafft auch die sofortige Gabe einer Tube Microclisk als Klistier (Apotheke).
Am Tag der Geburt erhält die Stute eine Wurmkur, die über die Milch auf das Fohlen wirkt. Danach erhält das Fohlen einmal nach 4 Wochen und dann alle 8 Wochen eine Wurmkur bis zum Ende des ersten  Lebensjahres. Lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt beraten!
Soweit es das Wetter zulässt, erhalten Stute und Fohlen vom ersten Tage an Auslauf und Bewegung. Beobachten Sie Ihr Fohlen, ob es lebhaft ist, regelmäßig säuft und schläft. Sollten Abweichungen in der Gliedmaßenstellung oder Bewegung auffallen, ist der Tierarzt zu Rate zu ziehen. Achten Sie darauf, dass der Hufschmied Ihr Fohlen mindestens alle 8 Wochen kontrolliert.
Nach 8-10 Tagen tritt oft ein Fohlendurchfall auf, bei dem das Fohlen viel Flüssigkeit verliert. In der Regel verliert sich der Durchfall nach ein paar Tagen. Wenn er länger anhält, ist der Tierarzt zu verständigen.
Die Stute kommt nach 7 bis 20 Tagen in die Fohlenrosse. Die Entscheidung, ob Sie diese erste Rosse nutzen, muss individuell, je nach Stute, getroffen werden. Wenn die Geburt ohne Komplikationen verlaufen ist, kann die Stute früh wieder aufnehmen. Manche Stuten zeigen nach der Fohlenrosse keine Rosseanzeichen mehr, solange sie das Fohlen bei Fuß haben. Andere Stuten benötigen Zeit, um die Gebärmutter wieder auf neue Trächtigkeit vorzubereiten.

Sommer/ Herbst

Stute und Fohlen genießen den Sommer und Herbst auf der Weide und das Fohlen wächst gesund heran. Achten Sie auf eine optimale Futterversorgung der Stute, besonders in der Eiweiß- und Mineral-stoffversorgung. Das Fohlen nimmt schon nach einigen Tagen geringe Mengen an Heu und Gras auf.
Um seine Darmflora aufzubauen, frisst das Fohlen vom Kot der Mutterstute. Zufutter, meist in Form von Quetschhafer, erhält das Fohlen in einem Fohlentrog angeboten. Wenn das Fohlen fit und gesund ist, erhält es frühestens mit 5 Monaten die ersten Impfungen gegen Tetanus und Influenza. Nach frühestens 6 Monaten wird das Fohlen abgesetzt und in Fohlengruppen gehalten. Für das heranwachsende Tier ist der Schutz und die Herausforderung in der Herde wichtig. Neben der Bewegungsförderung  ist die Erziehung und der Kampf um die Rangfolge in der Herde vorteilhaft und ganz besonders für Hengstfohlen wichtig. Achten Sie aber darauf, dass sich Ihr Fohlen in der Herde auch behaupten kann und regelmäßige Futteraufnahme und Ruhephasen gewährleistet sind, um Wachstumsstörungen zu vermeiden.