90 Jahre Pferdezucht in Sachsen und Thüringen

Moritzburger Hengsttage

Die Chronik ist ab 12.03.2011 beim Pferdezuchtverband, Geschäftsstelle Moritzburg erhältlich

Landwirtschaftliche Lehr- und Leistungsschau auf dem Tierzuchtgelände in Dresden-Reick

Blick in die Ausstellungs- und Versteigerungshalle am Güterbahnhof in Weimar anläßlich der Zentralen Hengstkörung des Landesverbandes Thüringer Kaltblutzüchter im Jahre 1930.

Die Anfänge der Zucht von Pferden lassen sich auf dem Territorium der heutigen Freistaaten Sachsen und Thüringen bis in das 8. Jahrhundert zurückverfolgen.

In teilweise äußerst lückenhaften, historischen Darstellungen wird berichtet, dass zu dieser Zeit die Spanier einen stärkeren und schwereren Pferdeschlag besaßen, den sie ursprünglich aus Thüringen und Sachsen importierten. Im 12. Jahrhundert finden erste Gestüte der Herrscherhäuser Erwähnung. So wird das Gestüt in Allstedt bereits 1174 erstmalig schriftlich erwähnt. 1445 wird das Klostergestüt Georgenthal beschrieben, im folgenden 16. Jahrhundert eine große Anzahl von Hofgestüten, darunter Seyda, Blesern, Stolpen, Kalkreuth, Merseburg, Zella (bei Nossen) und Veßra sowie 1630 erstmals auch Graditz.

Ein weiterer Meilenstein der Pferdezucht stellt die Gründung des Landgestütes Moritzburg im Jahre 1828 dar. Eine erste übergreifende Organisation der Pferdezucht erfolgte durch den 1844 gegründeten „Verein zur Hebung der Pferdezucht im Herzogtum Gotha“, in dessen Folge sich unterschiedliche Vereinigungen und Genossenschaften der planmäßigen Zucht von Pferden in Thüringen widmeten. Im Königreich Sachsen sorgten insbesondere die Landstallmeister für entsprechende Organisationen. So formulierte Graf von Mangoldt 1873 das erste Zuchtziel für Warmblutpferde in Sachsen, Graf zu Münster führte ab 1880 das erste Stutbuch für Warmblutpferde.

Die eigentlichen Vorläufer des heutigen Pferdezuchtverbandes Sachsen-Thüringen e.V. und damit die Begründung für das 90jährige Jubiläum waren aber das „Sächsische Pferdestammbuch“ (gegr. 1920 mit Sitz in Dresden) und der „Landesverband der Pferdezüchter Thüringens“ (gegr. 1921 mit Sitz in Weimar). Beide Organisationen verstanden sich als Dachverband der bestehenden Pferdezuchtvereine, eine Struktur, die bis zum heutigen Tage besteht und sich bewährt hat. Durch die beiden Weltkriege kam es zu mehr oder weniger großen Einschnitten in die Verbandsarbeit, nach 1949 wurden die Verbände in staatliche Stellen für Pferdezucht überführt, wobei es für die weitere Entwicklung sicherlich nicht unbedeutend war, dass die beiden Zuchtgebiete Sachsen und Thüringen unter dem Dach der Pferdezuchtdirektion Süd geführt wurden.

Nach der politischen Wende besannen sich die Pferdezüchter in Sachsen und Thüringen schnell wieder auf die bewährten Strukturen und gründeten den „Verband Thüringer Pferdezüchter“ (13.07.1990) sowie den „Pferdezuchtverband Sachsen“ (14.07.1990). Von Anfang an arbeiteten beide Zuchtverbände eng zusammen. Nicht nur die Beschickung beider Gebiete mit Beschälern durch das Landgestüt Moritzburg, sondern auch ein gemeinsamer Hengstverteilungsplan, gemeinsame Körungen, Verkaufsveranstaltungen und Schauen sowie (mit Unterbrechungen) eine gemeinsame Verbandszeitschrift kennzeichneten das Miteinander. So war die Fusion beider Verbände am 14. April 2005 zum „Pferdezuchtverband Sachsen-Thüringen e.V.“ lediglich die Folge der bisherigen, intensiven Zusammenarbeit.

Nach 90jähriger Verbandsgeschichte haben die Züchter heute ein Dienstleistungsunternehmen an ihrer Seite, das weit mehr leisten muss als eine reine Zuchtorganisation. Neben der Herdbuchführung von inzwischen über 30 Rassen werden zahlreiche züchterische und auch sportliche Veranstaltungen durchgeführt, die Züchter werden in den verschiedenen Fragen rund um das Pferd beraten, es werden Öffentlichkeitsarbeit und Markenentwicklung betrieben sowie der Absatz der Pferde auf unterschiedliche Art und Weise unterstützt.