Der Pferdezuchtverband Sachsen-Thüringen e.V. stellt sich vor

Im April 2005 verschmolzen die Pferdezüchter aus Sachsen und Thüringen zu einem Verband. Neben zahlreichen erfolgreichen Sportpferden, setzt der Nachwuchs Akzente.


Die Geschichte der Pferdezucht in den Freistaaten Sachsen und Thüringen lässt sich durch schriftliche Berichte bis ins 9. Jahrhundert zurückverfolgen. Es ist die Geschichte einer mehr oder weniger ungerichteten Zucht, die hauptsächlich durch eine zeitweise große Anzahl kleiner Fürstentümer mit den dazugehörigen Hofgestüten geprägt war. Die planlose Vermehrung des Landschlages endete mit der Gründung von Stationen für Landbeschäler im Königreich Sachsen. Von den damals gegründeten Stationen besteht bis heute die Deckstelle im Kloster Altzella von Nossen. Mit der Teilung Sachsens 1815 ging der Verlust des Hofgestütes Torgau, dem heutigen sächsischen Hauptgestüt Graditz, an Preußen einher. König Anton der Gütige entschloss sich daraufhin 1828 zur Etablierung eines Landgestütes in den Stallungen des Jagdschlosses Moritzburg. Im heutigen Freistaat Thüringen wurde die Remontierung im Wesentlichen durch bäuerliche und später zunehmend genossenschaftliche Hengsthaltung gesichert. Insbesondere in den 20er Jahren dominierte diese Form der Bereitstellung von Hengsten. Seit 1957 erfolgte dann auch in Thüringen der Einsatz von Landbeschälern für die Züchter, zunächst durch das Landgestüt Halle/Kreuz, später durch Moritzburg, was bis in die heutige Zeit so geblieben ist.
In den Jahren 1920 bzw. 1921 erfolgte die Gründung des Sächsischen Pferdestammbuches e.V. und des Landesverbandes der Pferdezüchter Thüringens e.V., die bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts das Niveau der Pferdezucht in den beiden Freistaaten bestimmten. Nach dem II. Weltkrieg kam es zur staatlichen Zentralisierung innerhalb der Pferdezuchtdirektion Süd. Im Zuge der politischen Wende 1990 wurden zunächst die beiden vorhergehenden Verbände wiederbelebt. So entstand am 13. Juli 1990 der Verband Thüringer Pferdezüchter e.V. und am 14. Juli 1990 der Sächsische Pferdezuchtverband e.V., die jedoch schon damals in vielen Bereichen sehr eng zusammen arbeiteten. So lag es nahe, zur weiteren Intensivierung der Pferdezucht in Sachsen und Thüringen zu einem Verband zu verschmelzen. Dies erfolgte am 16. April 2005 und entstanden ist ein Verband, der bei genügender Größe über Strukturen verfügt, die zeitgemäß sind und eine möglichst individuelle und umfassende Betreuung jedes einzelnen Züchters ermöglichen. Die Grundlage bilden 4000 Mitglieder und rund 6200 Zuchtpferden, die sich auf rund 30 derzeit betreute Rassen verteilen. Die größte Population ist die des Deutschen Sportpferdes, die in Zusammenarbeit mit den Verbänden Sachsen-Anhalt und Berlin-Brandenburg innerhalb eines Zuchtprogramms betreut wird.
In der Nachwuchsförderung wird sowohl im Bereich der Pferde als auch der Jungzüchter sehr viel investiert. Ausgezahlt hat sich das bei den letztgenannten durch vielfache Erfolge zu nationalen und internationalen Wettbewerben. So konnte die Thüringer Mannschaft im Jahr 2004 den süddeutschen und den Bundesjungzüchterwettbewerb gewinnen. Die sächsischen Nachwuchszüchter siegten in den Jahren 2001, 2002 und 2004 beim süddeutschen Jungzüchterwettbewerb und konnten 2001 auch noch den von der WBFSH ausgerichteten internationalen Jungzüchterwettbewerb in Verden gewinnen. Dieses gute Potential an jungen Menschen sollte in der Zukunft helfen, in Bereichen Pferdezucht- und haltung immer wieder Multiplikatoren zu gewinnen, die ihr Wissen und Können an eine große Zahl von Züchtern herantragen.
Die vierbeinigen Nachwuchstalente werden über einen Ausbildungsförderfond des Pferdezuchtverbandes und den Förderverein "SFP" unterstützt. Ziel ist es, einerseits talentierten Nachwuchspferden eine optimale Ausbildung und hoch qualifizierten Beritt zu bieten. Auf der anderen Seite werden mit Geldern aus diesen Fonds auch junge Reiter gefördert, die dann wiederum mit Pferden aus ihrem Zuchtgebiet erfolgreich überregional vertreten sind. Ein Beispiel für eine solche Entwicklung ist die Tatsache, dass in den Jahren 2003 und 2004 der größte Anteil der 4- und 5jährigen Vielseitigkeitsponys zum Bundeschampionat in Warendorf aus Sachsen-Thüringen kam und in den meisten Fällen saßen junge Reiterinnen aus diesen Landen im Sattel. Ein Ziel des Verbandes ist es, diese Entwicklung in den nächsten Jahren auch auf den Großpferdeberreich zu übertragen.
Im Bereich überregionaler Veranstaltungen und der Vermarktung arbeitet der Pferdezuchtverband Sachsen-Thüringen e.V. eng mit Partnerverbänden zusammen. Im Rahmen der "Arbeitsgemeinschaft der Süddeutschen Pferdezuchtverbände" werden seit 2004 die Süddeutschen Hengsttage in München mit großem Erfolg durchgeführt. Auch die Reitpferde- und Fohlenchampionate werden von den sächsisch-thüringischen Züchtern gern als Plattform zur Präsentation und Vermarktung genutzt.
Im Rahmen der Zusammenarbeit mit den ostdeutschen Pferdezuchtverbänden wird das "Schaufenster der Besten" als Eliteverkaufsschau im November jeden Jahres in Neustadt/Dosse durchgeführt. Dieses absolute Highlight im Herbst hat sich in den vergangenen Jahren etabliert und so können fast jedes Jahr neue Rekorde hinsichtlich der Anzahl verkaufter Pferde und deren Preise vermeldet werden. Des Weiteren werden eine gemeinsame Nachkörung sowie eine Sattelkörung mit diesen Verbänden veranstaltet.
Durch diese vielfältigen Kooperationen haben die Mitglieder des Pferdezuchtverbandes Sachsen-Thüringen e.V. eine Reihe von Möglichkeiten, ihre Pferde einem interessanten Publikum zu präsentieren und sie entsprechend zu vermarkten. In der näheren Zukunft wird dem Thema der Vermarktung, der Öffentlichkeitsarbeit und der Serviceleistungen ein noch breiterer Raum gewidmet sein. Dies ist notwendig, um dem steigenden Wettbewerbsdruck unter den Verbänden auch in Zukunft standhalten zu können und den Verband für Züchter nach wie vor attraktiv zu machen. Weitergehende Kooperationen mit anderen Verbänden könnten dabei in Zukunft eine noch größere Rolle spielen.